28.12.06 | Herbert Schui
Zeitungsartikel
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat mit seinem Ratschlag »Wenn Sie sich waschen und rasieren, dann finden Sie auch einen Job« die Lösung gefunden: Sie heißt Hygiene. So lässt sich die Arbeitslosigkeit beseitigen. Die Ermahnung des Landesvaters von Rheinland-Pfalz hat genutzt. Gleich nach Neujahr am 2. Januar werden sich viele Arbeitslose in Mainz vor dem Regierungssitz zusammenfinden, um sich öffentlich rasieren zu lassen und zu waschen. Wohl selten ist die Idee eines Politikers von Arbeitsloseninitiativen so sehr beachtet worden.
Damit das Happening nicht in Schaum und Haaren untergeht, sollte der Landesherr hinabsteigen. Mythisches Hand-Auflegen oder ein anderer mittelalterlicher Zauber würden dem Ereignis Glanz geben. Fußwaschung dagegen ist nicht Sache des weltlichen Herrschers, Demut oder selbst Hand anlegen nicht die Stärke des Berufspolitikers.
Wie aber weiter, wenn das Happening vorbei ist? Der SPD-Linke Ottmar Schreiner weist den richtigen Weg: »Die spannende Frage wird sein – so sagt er im Südwestrundfunk – welche Schlussfolgerung wir daraus ziehen als SPD«.
Die Beck’sche Waschthese braucht noch etwas wissenschaftliche Grundlage. Aber immerhin, sie geht neue Wege: Vorbei ist der Streit, ob mehr Nachfrage, finanziert von höheren Löhnen, die Arbeitslosigkeit senkt oder ob ganz im Gegenteil niedrige Löhne und geringere Beiträge der Unternehmen zur Sozialversicherung die Lösung bringen. Nein, alles ist eine Frage von Waschen, Schneiden, Rasieren. Das sollte im Einzelnen weiter belegt werden. War am Ende die große Arbeitslosigkeit, die 1929 eingesetzt hat, hervorgerufen durch eine plötzliche massenweise Veränderung des Hygieneverhaltens? Und im Kontrast hierzu: war die Nachkriegszeit eine Phase des vermehrten Waschens? Gab es nach 1973, als die Arbeitslosigkeit langsam wieder angestiegen ist, einen Rückfall in Schmutz und Bart? Und schließlich für die Gegenwart: Alte und Junge sind häufiger arbeitslos als die Altersgruppe, die dazwischen liegt. Frauen häufiger als Männer, Zugewanderte mehr als Einheimische. All das muss noch genauer untersucht und nachgewiesen, aber spricht nicht viel für die Waschthese?
Oder am Ende doch nicht?
Zeitungsartikel
Waschen schafft Jobs
Brief aus Berlin. Von H. Schui / Harburger Anzeigen und NachrichtenDer SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat mit seinem Ratschlag »Wenn Sie sich waschen und rasieren, dann finden Sie auch einen Job« die Lösung gefunden: Sie heißt Hygiene. So lässt sich die Arbeitslosigkeit beseitigen. Die Ermahnung des Landesvaters von Rheinland-Pfalz hat genutzt. Gleich nach Neujahr am 2. Januar werden sich viele Arbeitslose in Mainz vor dem Regierungssitz zusammenfinden, um sich öffentlich rasieren zu lassen und zu waschen. Wohl selten ist die Idee eines Politikers von Arbeitsloseninitiativen so sehr beachtet worden.
Damit das Happening nicht in Schaum und Haaren untergeht, sollte der Landesherr hinabsteigen. Mythisches Hand-Auflegen oder ein anderer mittelalterlicher Zauber würden dem Ereignis Glanz geben. Fußwaschung dagegen ist nicht Sache des weltlichen Herrschers, Demut oder selbst Hand anlegen nicht die Stärke des Berufspolitikers.
Wie aber weiter, wenn das Happening vorbei ist? Der SPD-Linke Ottmar Schreiner weist den richtigen Weg: »Die spannende Frage wird sein – so sagt er im Südwestrundfunk – welche Schlussfolgerung wir daraus ziehen als SPD«.
Die Beck’sche Waschthese braucht noch etwas wissenschaftliche Grundlage. Aber immerhin, sie geht neue Wege: Vorbei ist der Streit, ob mehr Nachfrage, finanziert von höheren Löhnen, die Arbeitslosigkeit senkt oder ob ganz im Gegenteil niedrige Löhne und geringere Beiträge der Unternehmen zur Sozialversicherung die Lösung bringen. Nein, alles ist eine Frage von Waschen, Schneiden, Rasieren. Das sollte im Einzelnen weiter belegt werden. War am Ende die große Arbeitslosigkeit, die 1929 eingesetzt hat, hervorgerufen durch eine plötzliche massenweise Veränderung des Hygieneverhaltens? Und im Kontrast hierzu: war die Nachkriegszeit eine Phase des vermehrten Waschens? Gab es nach 1973, als die Arbeitslosigkeit langsam wieder angestiegen ist, einen Rückfall in Schmutz und Bart? Und schließlich für die Gegenwart: Alte und Junge sind häufiger arbeitslos als die Altersgruppe, die dazwischen liegt. Frauen häufiger als Männer, Zugewanderte mehr als Einheimische. All das muss noch genauer untersucht und nachgewiesen, aber spricht nicht viel für die Waschthese?
Oder am Ende doch nicht?
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