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Der Sozialstaat war und ist finanzierbar.

Prof. Dr. Herbert Schui

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16.08.07 |  Herbert Schui
Zeitungsartikel / Geld/Währung, Finanzen

Warum Bankenkrise?

Brief aus Berlin. Von H. Schui / Harburger Anzeigen und Nachrichten

Die Banken sind in der Krise. Angefangen hat es mit der IKB. Weitere Institute sind dazu gekommen. Für die IKB bürgt nun die bundeseigene KfW mit 8,1 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank hat den Geschäftbanken bis jetzt kurzfristige Kredite in Höhe von 155 Milliarden Euro eingeräumt. Das ist kein Pappenstiel. Wie kommt es zu der Bankenkrise?


Vordergründig sieht die Sache so aus: Die IKB und viele andere Banken haben us-amerikanische Hypothekenkredite gekauft, die zuvor in handelbare Wertpapiere umgewandelt worden sind. Die Kredite sind nichts mehr Wert. Steigende Zinsen in den USA haben zur Folge, dass die privaten Kreditnehmer nicht mehr zahlen können. Da die Immobilienpreise sinken, bringt der Verkauf der Häuser durch die Banken viel weniger ein als den ausgeliehenen Hypothekenkredit.

Daraus folgt: Den Banken und Fonds, besessen von der Idee, immer höhere Gewinne zu erwirtschaften, ist nichts zu riskant. Die Zentralbanken und Finanzminister aber sollten nicht am Ergebnis herumdoktern. Besser ist, die Ursachen der Krise möglichst auszuschalten. Bis jetzt sind die Banken verpflichtet, ein bestimmtes Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgeliehenen Krediten zu respektieren. Diese Regel muss auch gelten für Geschäfte mit unterschiedlichen Wertpapieren, also auch Hypothekenkredite, die in Wertpapiere umgewandelt worden sind.

Die tiefere Ursache aber für die Krise ist: Die Verteilung des Volkseinkommens ist falsch. Die Gewinne, die in den Unternehmen verbleiben oder an die privaten Haushalte ausgeschüttet werden, sind zu hoch. Sie übersteigen bei Weitem die Ausgaben für Nettoinvestitionen, d.h. für Kapazitätserweiterungen und technische Verbesserungen. Das Geld nun, das nicht für profitable reale Investitionen verwendet werden kann, muss an anderer Stelle rentabel angelegt werden. So sind die unterschiedlichen Anlagefonds, die Heuschrecken und andere Fonds und Praktiken entstanden. Da war der Markt sehr kreativ. Da werden insolvente private Kunden mit Hypothekendarlehen zugeschüttet,  sehr risikoreiche Kredite an Entwicklungsländer vergeben, Produktionsunternehmen (zu einem großen Teil kreditfinanziert) gekauft, aus denen dann alles herausgequetscht wird – so Lohnverzicht und verdiente Abschreibungen, mit denen Ersatzinvestitionen zu finanzieren wären.

Wären dagegen die Gewinne niedriger und statt dessen die Einnahmen des Staates, der Sozialversicherer, die Löhne höher, dann würde der Finanzsektor keine abenteuerlichen Ideen entwickeln, wie der Überprofit weiteren Profit bringen könnte.










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