Zeitungsartikel
Der Sozialstaat war und ist finanzierbar.

Prof. Dr. Herbert Schui

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17.11.06 |  Herbert Schui
Zeitungsartikel

Milton Friedman, ein unermüdlicher Streiter für eine freie Wirtschaft, ist am 16.11. im Alter von 96 Jahren verstorben.

von Herbert Schui / in: Junge Welt

Seinen Studierenden und Mitarbeitern gegenüber war Milton Friedman stets herzlich und aufgeschlossen. Er half gerne mit überaus wohlwollenden Gutachten, wenn es um Stipendien ging. Seine Lebensgeschichte mag dies erklären: Nach dem Tod des Vaters mußte er als 15jähriger zunächst seine Familie über Wasser halten, bevor ein staatliches Stipendium ihm ein Studium ermöglichte. Aber damit wurde nicht der helfende und schützende Staat sein Ideal. Mehr geprägt hat ihn offenbar sein Aufstieg in der amerikanischen Gesellschaft, sein persönlicher Erfolg. Er war ebenso wie Hayek ein militanter Neoliberaler– aber anders als Hayek nicht um Geschichtswissenschaft und Philosophie bemüht.

Pragmatisch, kämpferisch, oft polemisch hat er sich für die Befreiung der Wirtschaft vom Staat, genauer: von den Fesseln der Demokratie, engagiert. Seine Leute gaben in Chile an der katholischen Universität während der Pinochet-Zeit den Ton an. Sein Basissatz war: Die Privatwirtschaft, ohne schädlichen politischen Einfluß auf sich gestellt, ist stabil. Wirtschaftskrisen oder Preissteigerungen sind die Folge von Politik.

Folglich erklärt er in seiner Geldgeschichte der Vereinigten Staaten (zusammen mit Anna Schwartz, 1956) die Weltwirtschaftskrise von 1929 ebenso wie die üblichen Konjunkturzyklen mit dem Versagen der Politik: Krisen sind die Folge einer schwankenden Geldversorgung durch die Zentralbank, die die Dispositionen der Unternehmen durcheinanderbringt. Ebenfalls 1956 veröffentlicht er seinen grundlegenden Artikel zur Neuformulierung der Quantitätstheorie des Geldes: Der Umfang von Produktion und Beschäftigung werden auf dem Arbeitsmarkt bestimmt. (Dies ist die bekannte Doktrin, wonach das Wachstum bei niedrigen Löhnen höher ausfällt.) Die Zentralbank, so die nächste Behauptung, bestimmt die Geldmenge und damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die Preise steigen, wenn die Geldmenge (und folglich die Nachfrage) höher ausfällt als die mögliche Produktion. Damit gilt: Die Zentralbank behauptet im Rahmen ihrer Theorie, daß Lohnsteigerungen das Wachstum drosseln. Sie reagiert darauf mit steigenden Zinsen, um die Geldversorgung zu verknappen. Erklärtes Ziel sind stabile Preise. Die Zentralbank hat damit ein Argument, steigenden Löhnen mit höheren Zinsen entgegenzutreten. Tatsächlich aber würden in der gegenwärtigen Lage höhere Löhne zu mehr Wachstum führen. Diesen Wachstumsimpuls will die Geldpolitik nicht zulassen. Die Zentralbank setzt der Forderung nach höheren Löhnen die Drohung vermehrter Arbeitslosigkeit entgegen. (Das ist der Leitsatz der Europäischen Zentralbank.)

Aber nicht nur um das Geld drehen sich die Arbeiten Friedmans: Zu erinnern ist an seinen Kampf gegen Mindestlöhne oder Tariflöhne, gegen die Gewerkschaften. Wie richtungweisend Friedman für die gegenwärtige Politik ist, läßt sich – leicht verständlich – in seinem Taschenbuch „Kapitalismus und Freiheit“ nachlesen. Dort erfährt man alles Wesentliche über ein neoliberales Erziehungswesen (so Bildungsgutscheine), eine negative Einkommenssteuer  zur Beseitigung von Armut (dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht unähnlich) oder über die Marktkräfte, die Diskriminierung beseitigen.

Mit Milton Friedman verliert die moderne Rechte und die uninformierte Linke einen Vordenker.










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