06.11.08 | Herbert Schui
Zeitungsartikel
Die Vorstandsmitglieder der Bahn AG haben sich ein höheres Einkommen genehmigt: Die Geschäftsleitung – darunter natürlich Mehdorn – erhöht ihre laufenden Bezüge ab 2009 um rund 20 Prozent. (Zum Vergleich: Die IG-Metall fordert nach Jahren der Lohnsenkung acht Prozent.) Mehdorns Grundgehalt wird also von 750.000 Euro auf 900.000 Euro jährlich ansteigen. Ebenfalls beschlossen ist ein Bonus, wenn die Bahn 24,9 Prozent ihrer Anteile an der Börse verkauft. Bringt das wie geplant 4,5 Milliarden Euro, dann gibt’s für die Geschäftsführung eine Einmalzahlung – für Mehdorn in Höhe von 600.000 Euro. Dem hat Staatssekretär von Randow (Verkehrsministerium) in der Sitzung des Personalausschusses des Bahn-Aufsichtsrates im Juni zugestimmt. Deswegen ist er nun entlassen worden.
Die Frage ist nun nicht in erster Linie, was Verkehrsminister Tiefensee davon wusste und wann. Dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, wissen wir spätestens seit dem Hin und Her mit der LKW-Maut. Sicherlich: Tiefensee sollte gehen. Für ihn gilt, was Woody Allen in einem Film sagt: »Ich weiß viel zu wenig, um inkompetent zu sein.«
Nein, das Problem ist Mehdorn und sein Vorstand. Denn schließlich kostet Mehdorn im kommenden Jahr 900.000, Tiefensee dagegen nur 154.320 Euro. (Ein Bundesminister bekommt im Monat 12.860 Euro Amtsbezüge.) Dass der Chef der Bahn rund sechsmal so viel verdient wie der Verkehrsminister, ist die Folge der Umwandlung der deutschen Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1994. Wäre sie noch unmittelbar ein Bundesunternehmen, dann könnte die Bundesregierung das Gehalt der Chefs festlegen. Nun bewerten sich die Manager selbst. Sehr erfolgreich, wie wir sehen.
Und was leistet Mehdorn für sein Geld? 1999 wurde er von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Bahn-Chef gemacht. Durch Ausgründungen in Service-Gesellschaften und Sturheit bei den Lohnverhandlungen hat er es seit dem geschafft, die Löhne der meisten Beschäftigten bei der Bahn – beachtet man die Inflationsrate – abzusenken. (Nur die Lokführergewerkschaft hat ihm erfolgreich die Stirn geboten.) Die Preise für die Fahrkarten aber steigen munter an. Planmäßig fährt die Bahn meistens nicht mehr – besonders an Freitagen. Der Grund: zu wenig Personal, unzureichende technische Wartung. Daher viele »technische Störungen im Betriebsablauf« – so die Ansagen. »Wir bitten um ihr Verständnis«, heißt es dann weiter. Wir haben dafür kein Verständnis! Die neueste »technische Störung«: Die Achsen der ICE-3 und ICE-T haben Risse. Warum ist das nicht von der Bahn selbst längst festgestellt und behoben worden?
Zeitungsartikel
Mehdorn und die Deutsche Bahn AG: Mehr Geld für mehr Leistung?
Brief aus Berlin. Von H. Schui / Harburger Anzeigen und NachrichtenDie Vorstandsmitglieder der Bahn AG haben sich ein höheres Einkommen genehmigt: Die Geschäftsleitung – darunter natürlich Mehdorn – erhöht ihre laufenden Bezüge ab 2009 um rund 20 Prozent. (Zum Vergleich: Die IG-Metall fordert nach Jahren der Lohnsenkung acht Prozent.) Mehdorns Grundgehalt wird also von 750.000 Euro auf 900.000 Euro jährlich ansteigen. Ebenfalls beschlossen ist ein Bonus, wenn die Bahn 24,9 Prozent ihrer Anteile an der Börse verkauft. Bringt das wie geplant 4,5 Milliarden Euro, dann gibt’s für die Geschäftsführung eine Einmalzahlung – für Mehdorn in Höhe von 600.000 Euro. Dem hat Staatssekretär von Randow (Verkehrsministerium) in der Sitzung des Personalausschusses des Bahn-Aufsichtsrates im Juni zugestimmt. Deswegen ist er nun entlassen worden.
Die Frage ist nun nicht in erster Linie, was Verkehrsminister Tiefensee davon wusste und wann. Dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen ist, wissen wir spätestens seit dem Hin und Her mit der LKW-Maut. Sicherlich: Tiefensee sollte gehen. Für ihn gilt, was Woody Allen in einem Film sagt: »Ich weiß viel zu wenig, um inkompetent zu sein.«
Nein, das Problem ist Mehdorn und sein Vorstand. Denn schließlich kostet Mehdorn im kommenden Jahr 900.000, Tiefensee dagegen nur 154.320 Euro. (Ein Bundesminister bekommt im Monat 12.860 Euro Amtsbezüge.) Dass der Chef der Bahn rund sechsmal so viel verdient wie der Verkehrsminister, ist die Folge der Umwandlung der deutschen Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1994. Wäre sie noch unmittelbar ein Bundesunternehmen, dann könnte die Bundesregierung das Gehalt der Chefs festlegen. Nun bewerten sich die Manager selbst. Sehr erfolgreich, wie wir sehen.
Und was leistet Mehdorn für sein Geld? 1999 wurde er von Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Bahn-Chef gemacht. Durch Ausgründungen in Service-Gesellschaften und Sturheit bei den Lohnverhandlungen hat er es seit dem geschafft, die Löhne der meisten Beschäftigten bei der Bahn – beachtet man die Inflationsrate – abzusenken. (Nur die Lokführergewerkschaft hat ihm erfolgreich die Stirn geboten.) Die Preise für die Fahrkarten aber steigen munter an. Planmäßig fährt die Bahn meistens nicht mehr – besonders an Freitagen. Der Grund: zu wenig Personal, unzureichende technische Wartung. Daher viele »technische Störungen im Betriebsablauf« – so die Ansagen. »Wir bitten um ihr Verständnis«, heißt es dann weiter. Wir haben dafür kein Verständnis! Die neueste »technische Störung«: Die Achsen der ICE-3 und ICE-T haben Risse. Warum ist das nicht von der Bahn selbst längst festgestellt und behoben worden?
« Zurück zu:



