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Prof. Dr. Herbert Schui, MdB

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22.04.10 |  Herbert Schui
Zeitungsartikel / Beschäftigung

Ein deutsches »Jobwunder«

Brief aus Berlin. Von H. Schui / Harburger Anzeigen und Nachrichten

Das Bruttoinlandsprodukt ist 2009 um fünf Prozent gefallen, die Beschäftigung ist konstant geblieben. Das ist bemerkenswert. Denn eigentlich müsste ja die Beschäftigung um denselben Prozentwert abnehmen wie das Bruttoinlandsprodukt. Das wären dann 1,793 Millionen Arbeitslose mehr gewesen. Auf Anhieb ist das schwer zu verstehen. Deswegen will die Regierung daraus ein deutsches Jobwunder machen – um sich und uns zu verherrlichen.

Tatsächlich lässt sich das Wunder leicht erklären: Zwei Dinge sind entscheidend: Erstens hat es die Krise mit sich gebracht, dass in einer Arbeitsstunde nun 2,2 Prozent weniger hergestellt wird als 2009. Die Arbeitsproduktivität ist gesunken. Das liegt an der schlechten Auslastung der Produktionsanlagen. Die Produktionstechnik lässt es nicht zu, dass die Arbeitsstunden parallel zur Produktion gesenkt werden. Zweitens ist die Arbeitszeit je Beschäftigten um 3,2 Prozent gesunken. Das hat die folgenden Ursachen: Die Vollzeitstellen nehmen um  1,1Prozent ab, die Teilzeitstellen nehmen um 2,3 Prozent zu. In der Industrie aber spielt sich das nicht ab, obwohl dort die Produktion wegen der rasch sinkenden Exporte um16 Prozent geschrumpft ist. Aber immerhin haben die vermehrten Teilzeitstellen in den anderen Sektoren die Beschäftigung stabilisiert.

In der Industrie selbst ist die Arbeitszeit je Beschäftigten vor allem wegen der Kurzarbeit gesunken und deswegen, weil die Überstunden und die Guthaben auf den Arbeitszeitkonten verringert wurden. Kurzarbeit ermöglicht, Schichten ganz ausfallen zu lassen oder zu kürzen. Um aber in der verbliebenen Arbeitszeit produzieren zu können, müssen alle Posten besetzt sein. Das Unternehmen kann also nicht einfach entlassen. Mit Kurzarbeit lässt sich die Arbeitszeit auf das von Unternehmen gewünschte Maß verringern. Der Konflikt zwischen niedriger Arbeitszeit (gut fürs Unternehmen) und niedrigerem Einkommen (schlecht für die Beschäftigten) wird gelöst durch das Kurzarbeitergeld.

Wie aber geht es weiter in diesem Jahr? Die Forschungsstelle (IAB) der Bundesagentur für Arbeit geht in ihrem Kurzbericht vom März davon aus, dass die Arbeitsproduktivität in diesem Jahr wieder ansteigt. Dies, weil die Auslastung sich bei einem Wachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr verbessern wird und weil Wege gefunden werden, die Produktionsorganisation der niedrigen Auslastung anzupassen. Wahrscheinlich wird dann die Arbeitsproduktivität ebenso rasch wachsen wie die Wirtschaft – möglicherweise auch schneller. Was uns also in den kommenden Jahren erwartet, ist ein Wirtschaftswachstum ohne Beschäftigungswachstum.

Was dagegen tun? Höhere Löhne, vor allem, um den Lohnausgleich bei Arbeitszeitverkürzung zu finanzieren, höhere Steuern auf den Gewinn und mit diesen zusätzlichen Staatseinnahmen mehr öffentlichen Dienst finanzieren. Da fehlt es überall. Das aber ist mit den neoliberalen Einheitsparteien nicht zu haben.













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