13.09.07 | Herbert Schui
Zeitungsartikel / Beschäftigung
Das Wirtschaftswachstum hat leicht zugelegt und so kommt zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften. Und schon rufen die Unternehmer Alarm: Qualifizierte Arbeitskräfte würden rar.
Bei genauem Hinsehen aber richtet sich dieses Argument gegen die Unternehmen. Sie haben in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet. Nicht die Androhung einer Ausbildungsabgabe, die dann eilig von der vergangenen Regierung zurückgenommen wurde, noch die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, mehr auszubilden, hat für mehr Qualifizierung gesorgt. Und gegenwärtig weigern sich die Unternehmen hartnäckig, zum Beispiel das Angebot der Bundesanstalt für Arbeit zur Weiterbildung von Un- und Angelernten zu nutzen. 200 Millionen Euro stellt die Bundesanstalt jährlich bereit. Davon wurden 2006 nur zehn Millionen genutzt, im Jahr 2007 waren es bis Juni ganze fünf Millionen. Die Begründung: Wer in die Weiterbildung geschickt wird, der fehlt in der Produktion. Und da würden jetzt alle Leute gebraucht. Wie wär’s denn, wenn man einige Leute zusätzlich einstellt und diese – oder andere – zur Weiterbildung schickt? Fast die gesamten Kosten der Maßnahme übernimmt die Bundesanstalt. Wozu also der Lärm?
Im Kern geht es um etwas Anderes. Wenn bei guter Auftragslage der Bedarf an Arbeitskräften wächst, suchen die Unternehmen aus den Arbeitslosen zuerst diejenigen heraus, die je Stunde den meisten Profit erzeugen, bei denen also die Differenz zwischen dem Produktionsergebnis und den Lohnkosten je Stunde am höchsten ist. Auch deswegen Probezeiten, die Forderung nach weniger Kündigungsschutz und all dies. Je höher dann der Bedarf an Arbeitskräften, um so mehr sind die Unternehmen bereit, auch Leute einzustellen, die weniger Gewinn je Stunde abwerfen. Sicherlich lässt sich das hinauszögern, wenn auch ausländische Arbeitskräftereservoire angezapft werden können. (Die Osteuropäer aber ziehen wegen der höheren Löhne längst Großbritannien vor.)
Die Unternehmen sollten aufhören, herum zu spektakeln. Sie sollten sich auf berufliche Aus- und Weiterbildung verlegen. Und sie sollten sich damit abfinden, dass nicht alle gleich leistungsfähig sind. Und vor allem: Manche bringen eine Zeitlang maximale Profitergebnisse. Dann aber setzt der Verschleiß ein und sie wandern langsam ans Ende der Leistungskurve. Mehr Kündigungsschutz, vor allem bei langer Betriebszugehörigkeit, verhindert, dass der Lohn für ihre jahrelangen Leistungen nun Entlassung, Harzt IV und niedrige Rente ist.
Zeitungsartikel / Beschäftigung
Keine qualifizierten Arbeitskräfte mehr?
Brief aus Berlin. Von H. Schui / Harburger Anzeigen und NachrichtenDas Wirtschaftswachstum hat leicht zugelegt und so kommt zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften. Und schon rufen die Unternehmer Alarm: Qualifizierte Arbeitskräfte würden rar.
Bei genauem Hinsehen aber richtet sich dieses Argument gegen die Unternehmen. Sie haben in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet. Nicht die Androhung einer Ausbildungsabgabe, die dann eilig von der vergangenen Regierung zurückgenommen wurde, noch die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, mehr auszubilden, hat für mehr Qualifizierung gesorgt. Und gegenwärtig weigern sich die Unternehmen hartnäckig, zum Beispiel das Angebot der Bundesanstalt für Arbeit zur Weiterbildung von Un- und Angelernten zu nutzen. 200 Millionen Euro stellt die Bundesanstalt jährlich bereit. Davon wurden 2006 nur zehn Millionen genutzt, im Jahr 2007 waren es bis Juni ganze fünf Millionen. Die Begründung: Wer in die Weiterbildung geschickt wird, der fehlt in der Produktion. Und da würden jetzt alle Leute gebraucht. Wie wär’s denn, wenn man einige Leute zusätzlich einstellt und diese – oder andere – zur Weiterbildung schickt? Fast die gesamten Kosten der Maßnahme übernimmt die Bundesanstalt. Wozu also der Lärm?
Im Kern geht es um etwas Anderes. Wenn bei guter Auftragslage der Bedarf an Arbeitskräften wächst, suchen die Unternehmen aus den Arbeitslosen zuerst diejenigen heraus, die je Stunde den meisten Profit erzeugen, bei denen also die Differenz zwischen dem Produktionsergebnis und den Lohnkosten je Stunde am höchsten ist. Auch deswegen Probezeiten, die Forderung nach weniger Kündigungsschutz und all dies. Je höher dann der Bedarf an Arbeitskräften, um so mehr sind die Unternehmen bereit, auch Leute einzustellen, die weniger Gewinn je Stunde abwerfen. Sicherlich lässt sich das hinauszögern, wenn auch ausländische Arbeitskräftereservoire angezapft werden können. (Die Osteuropäer aber ziehen wegen der höheren Löhne längst Großbritannien vor.)
Die Unternehmen sollten aufhören, herum zu spektakeln. Sie sollten sich auf berufliche Aus- und Weiterbildung verlegen. Und sie sollten sich damit abfinden, dass nicht alle gleich leistungsfähig sind. Und vor allem: Manche bringen eine Zeitlang maximale Profitergebnisse. Dann aber setzt der Verschleiß ein und sie wandern langsam ans Ende der Leistungskurve. Mehr Kündigungsschutz, vor allem bei langer Betriebszugehörigkeit, verhindert, dass der Lohn für ihre jahrelangen Leistungen nun Entlassung, Harzt IV und niedrige Rente ist.


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